Andacht

„Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe.“ (1Kor 13,13)

Am Samstag war ich auf der Demo in Dresden. Über 30.000 Dresdnerinnen und Dresden waren auch auf der Straße und haben für Demokratie und gegen Faschismus demonstriert. Das hat mir Hoffnung gemacht. Ich hatte ein Plakat mit diesem Motiv dabei und hab Aufkleber verteilt. Viele Leute haben mich angelächelt und zustimmend genickt.

Der Vers aus dem 1. Korintherbrief, der hinter diesem Motiv steht, stellt für mich eins der kürzesten Glaubensbekenntnisse der Bibel dar: Glaube – Liebe – Hoffnung. So hat es Paulus zusammengefasst. Diese drei Worte klingen sehr schön. Sie müssen aber mit Inhalt gefüllt werden. Egal ob in einer Beziehung zwischen zwei Menschen – denn oft wird der Vers auch als Trauspruch gewählt, oder eben als Motto im gesellschaftlichen Diskurs.

Eine Person auf der Demo sprach mich an und war sehr skeptisch. Glaube, das sei doch was von vorgestern, das Herz viel zu kitschig, und Hoffnung würde nur vertrösten. Er hat Angst, dass unsere Gesellschaft von rechtsextremen Kräften bald regiert wird. Darum ist er auf der Straße und bei der Demo dabei. Diese Angst motiviert ihn sich für Demokratie einzusetzen. Nicht Glaube, Liebe oder gar Hoffnung.
Ja, auch Angst kann Kräfte freisetzen und ist in manchen Fällen gesund und schützt z.B. vor Übermut. Ängste können oft auch nicht mit Argumenten „weggeredet“ werden, da brauch es vielmehr Begegnungen und gute Erfahrung, die die Angst vertreiben. Ich hab meinen Gegenüber ernst genommen und ihn bestärkt, auch wenn aus Angst, sich weiter zu engagieren.

Ich aber will mich nicht in die Angst treiben lassen. Ich schöpfe aus meinem Glauben Hoffnung, dass alles was wir tun, in Liebe geschehen kann, auch in schwierigen Situationen. Genauso schöpfe ich aber auch aus Erlebnissen Hoffnung, wie bei der Demo, wenn so viele Menschen auf die Straße gehen. Ich hoffe allerdings auch, dass es nicht dabeibleibt, sondern dass viele Mut bekommen ihre Träume zu formulieren und aktiv zu werden. Die einen gründen Blasskappelen, die anderen Treffen sich zum Austausch, wie sie sich gegenseitig ermutigen können und Rassismus und Menschenfeindlichkeit entgegentreten. Andere wiederum werden aktiv und helfen bei der Integrationvon benachteiligten neuen und alten Nachbarn. und … und … und ….

Ich will mir das Glauben, das Lieben und Hoffen nicht abgewöhnen.

Ich will glauben, lieben und hoffen und daraus immer wieder neue Kraft gewinnen. Amen


Gespräch und Gebet

Gespräch:

Wovon träumst du? Was hoffst du? Tauscht euch aus.

Welche Träume und Hoffnungen sind euch wichtig.

Träumt ihr überhaupt?

Habt ihr Ideen wie man das Träumen und Hoffen wieder lernen kann, falls du es verlernt hast?

Gebet:

Guter Gott. Stärke meinen Glauben, gerade wenn Zweifel und Misstrauen an mir nagen.

Guter Gott. Sähe Liebe, wo Hetze und Vorurteile Debaten und Diskussionen vergiften.

Guter Gott. Schenke Hoffnung, da wo die Angst mich davon abhält aktiv zu werden.

Sei du da. Amen

[Gedanken und Texte von Tobias Funke]


Aktion

Schaut oder hört euch zusammen das Lied „Für immer Frühling“ von Soffie an.

Schreibt und singt euer Hoffnungstraumlied!

Hier der Originaltext von Soffie;

Ich hab‘ neulich geträumt

[Strophe 1]
Von einem Land, in dem für immer Frühling ist
Hier gibt es Kaviar und Hummer im Überfluss
Keiner hier, der hungert, und niemandem ist kalt
Vanilleeis zum Nachtisch, alle sterben alt
In das Land, in dem für immer Frühling ist
Darf jeder komm’n und jeder geh’n, denn es gibt immer ein’n Platz am Tisch
Rotkarierter Stoff, keine weißen Flaggen mehr
Alle sind willkomm’n, kein Boot, das sinkt im Mittelmeer

[Strophe 2]
In dеm Land, in dem die Winter nicht so trübе sind
Ist der Himmel nur noch blau und rosarot
Kinder an die Macht, keine hohen Mauern mehr
Karmakonto voll, alle Waffenspeicher leer
In dem Land, in dem die Sommer kühler sind
Hab‘ ich keine Angst zu sagen, was ich fühl‘ (Was ich fühl‘)
Das Herz wohnt auf der Zunge, die Sonne auf der Haut
Keiner ist im Soll, sag mir einfach, was du brauchst

[Strophe 3]

Du nennst es Utopie, ich nenn‘ es Heimat
Revolutionierte Freiheit
Und wenn ich mei’m Bett abends einschlaf‘
Träum‘ ich davon
Von dem Land, in dem für immer Frühling ist
Von dem Land, in dem ich noch was fühl‘
Von dem Land, in dem die Sommer grüner sind
Von dem Land, von diesem Land (Für immer Frühling)

[Outro]
Und bis ich da bin, träume ich davon

Impulse
Gruppen
Infos