Andacht

Psalm 32:Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.

Wenn Gruppen bei der Evangelischen Jugend Dresden unterwegs sind kommt es immer wieder vor, dass wir uns im Vertrauen üben. Es werden Augenbinden ausgeteilt und eine sehr bekannte Übung gemacht. Blind führen, meist mit einem anderen Menschen, der führt, es gibt viele Variationen, die dem einen oder der anderen sicherlich bekannt sind.

Im Alltag erleben Menschen oft ähnliches, umgangssprachlich wird dies als Blindflug bezeichnet. Was so viel heißt, dass man ohne Sicht unterwegs ist. Es ist nicht mehr klar, in welche Richtung es weiter geht oder wie es weiter geht. Diese Situation wird erlebt, wenn Menschen auf Ergebnisse warten. Welche Bewertung hat die Arbeit oder Klausur bekommen? Bekomme ich damit den erhofften Durchschnitt, hat sich das Lernen gelohnt? Aber auch beim Warten auf Entscheidungen von anderen, „…liebt mich, liebt mich nicht…“ oder das erhoffte Schreiben für den Studienplatz – was nur einige Beispiele für Blindflüge sind. Menschen sind gern sicher unterwegs mit Zielen, die fest in den Blick genommen werden. Vor allem sollten diese Ziele SMART sein, Insider wissen Bescheid, die anderen dürfen im Internet nachschauen. Dennoch wird es trotz Wissen und guter Vorbereitung vorkommen, im Blindflug unterwegs zu sein, Situationen ausgesetzt zu sein, in denen das Ziel, die Richtung und manchmal auch der Sinn verloren geht.

Die Jünger Jesu erlebten dies in den letzten Tagen vor dem Tod und der Auferstehung Jesu. Mit klaren und sicherlich „SMARTen“ Zielen unterwegs, merkten sie dennoch große Unsicherheit und Ungewissheit. Es war ihnen nicht bewusst, dass alles gut ausgehen würde, sie hatten keine Möglichkeit, in die Zukunft zu schauen. Trotz der Zusagen Jesu erkannten sie bis zum Schluss nicht, was das eigentliche Ziel war, sie waren blind dafür.

„Ich erkenne den Sinn nicht, aber ich vertraue dem der ihn kennt.“ Ein Zitat von Helmut Thielicke beschreibt ganz gut ein alternatives Navigationssystem für Blindflüge. Es könnte also auch heißen: „Ich kenne den Weg nicht, aber ich vertraue dem, der ihn kennt.“ Mit diesem Wissen stehen wir nicht allein da, schon im Psalm 32 steht geschrieben:Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“

Das heißt, es ist nicht immer notwendig, den Durchblick und klare Sicht zu haben, Gott möchte mich leiten!

Das bedeutet nicht, sich darauf auszuruhen und zu warten, dass der Blindflug zu Ende ist, sondern darauf zu vertrauen, dass es schon einen Weg geben wird!

Es bedeutet, sich vorsichtig, behutsam aber auch mutig vorzutasten und Schritt für Schritt zu gehen!


Gespräch

Teilt Eure Blindflug-Erfahrungen, wie habt ihr den Horizont wiedergefunden?


Aktion

Blind Walk

Teilnehmer: 2er Paare

Material: Augenbinden, Tücher

Zeitaufwand: 8–12 Minuten

Es ist wichtig, von Beginn an, auf eine ernsthafte Stimmung in der Gruppe zu achten!

Alle Teilnehmenden werden gebeten, Paare zu bilden, von denen jeweils einem Partner

die Augen verbunden werden. Er ist der „Blinde“. Der andere Partner ist der „Sehende“.

Die Teilnahme an dieser Übung soll unbedingt freiwillig sein, da die Möglichkeit besteht, dass bei einzelnen Ängste bestehen. Der „Sehende“ nimmt den „Blinden“ an der Hand und führt ihn herum. Dabei wird der „Blinde“ von Zeit zu Zeit gefragt, ob er weiß, wo er sich befindet und was er von seiner Umwelt wahrnimmt. Es werden vermutlich Geräusche, Gerüche, Schatten oder unterschiedliche Untergründe genannt. Nach einem Signal werden die Rollen von „Sehenden“ und „Blinden“ getauscht.

Impulse
Gruppen
Infos